Fantasy Canyon
Inmitten riesiger Erdgas- und Erdölfelder im abgelegenen Uintah Basin südlich von Vernal liegt wie ein kleiner, von zarter Künstlerhand geschaffener Skulpturengarten der Fantasy Canyon, eine Miniaturlandschaft aus drei nebeneinanderliegenden ‚washes', in denen dicht aneinandergereiht Dutzende filigraner Sandsteingebilde darauf warten, entdeckt und in der Fantasie des Betrachters zu neuem Leben erweckt zu werden. Je nachdem, wie die Sonne gerade steht, wie die Schatten fallen und von welcher Seite, links, rechts, oben oder unten man diese bizarr geformten und durchlöcherten Felsskulpturen betrachtet, erkennt man dabei immer wieder etwas Neues, von gigantischen runden Morcheln, witzigen Komikfiguren und Tiergestalten bis hin zu eindrucksvollen Gesichtern aus Stein, die wie verzauberte Hexen oder Kobolde den Eingang zum Fantasy Canyon bewachen. Ihnen verdankt das Gebiet auch seinen zweiten, etwas älteren Namen - ‚Devil's Playground'.
Lage: der Fantasy Canyon befindet sich etwa 35 Meilen südlich von Vernal im Nordosten von Utah.
Wissenswertes zum Fantasy Canyon
Erdgeschichtlich gesehen stammen die Gesteinsschichten im Fantasy Canyon aus der Zeit des Eozäns, also dem Zeitraum vor etwa 38 bis 50 Millionen Jahren. Damals war die Landschaft des Uinta Basin von einem riesigen See bedeckt, Lake Uinta genannt, der eine Tiefe von über 1,5 Kilometern und eine Länge von 120 Meilen besaß. Im Laufe der Zeit füllte sich dieser See mit losen Sedimenten aus den umliegenden Bergen, die sich durch den anhaltenden Druck langsam in dicke Schichten aus Schlick, Schiefer und Sandstein verwandelten. Millionen Jahre später wurden diese Sedimente in gewaltigen Aufwerfungen nach oben gedrückt, so dass diese Gesteinsschichten nun der Witterung und damit den gewaltigen Kräften der Erosion ausgesetzt waren. Die weicheren Lehm-, Schlick- und Schieferanteile wurden von Regen, Eis und Wind langsam abgetragen, während der härtere Sandstein diesen Kräften standhalten konnte und in Form skurill geformter Skulpturen zurückblieb.
Zufahrt zum Fantasy Canyon
Am einfachsten findet man die Abzweigung zum Fantasy Canyon von Norden, d.h. von Vernal kommend. Dafür fährt man von Vernal aus zunächst auf dem Hwy 40 ein Stück nach Osten und biegt dann bei Naples auf den insgesamt 35 Meilen langen Hwy 45 nach Süden ab Richtung Bonanza. Das Gebiet des Fantasy Canyon befindet sich übrigens westlich dieser Straße - und nicht - wie auf manchen älteren Karten noch falsch eingezeichnet - auf der Ostseite!
Auf dem Hwy 45 fährt man etwa 20 Meilen nach Süden und biegt dann beim großen Hinweisschild ‚Fantasy Canyon' nach rechts (Südwesten) ab auf die ebenfalls geteerte Glen Bench Road. Diese Straße erschließt ein riesiges Öl- und Ergasfördergebiet, so dass man unterwegs ständig mit entsprechend hektischem Schwerlastverkehr rechnen muss (auch auf den ungeteerten Pisten, die daran anschließend Richtung Fantasy Canyon führen!).
Nach etwas weniger als einer Meile folgt man einem weiteren Hinweisschild Richtung Fantasy Canyon nach links. Nach insgesamt 18 Meilen verläßt man diese geteerte Nebenstrecke und biegt beim Schild ‚Fantasy Canyon 5 miles' nach links ab auf eine ungeteerte Lehmpiste. Diese Dirt Road ist zwar etwas holprig mit tiefen Reifenspuren, bei Trockenheit aber ohne Probleme von allen Fahrzeugen mit guter Bodenfreiheit befahrbar. Vorsicht ist geboten während oder nach Regenfällen, denn aus dem trockenen, griffigen Lehmboden wird dann im Nu eine schmierige, glitschige Rutschbahn, auf der man selbst mit eingeschalteter Allradfunktion keinen Halt mehr findet. Nach heftigen Regenfällen verwandeln sich auch einige der quer zur Straße verlaufenden 'washes' in tiefe Bäche, die entweder gar nicht oder nur noch schwierig zu durchqueren sind. Vorsicht also bei Regenwetter!
Vom Beginn der Dirt Road an sind an allen weiteren Kreuzungen und Weggabeln Hinweisschilder angebracht, so dass man sich hier kaum verfahren kann. Anders sieht es dagegen auf dem Rückweg aus, vor allem, wenn man bis Sonnenuntergang bleibt und dann versucht, in dem Gewirr sich wild kreuzender Ölförderpisten wieder den Weg zurückzufinden. Es gibt zwar auch auf dem Rückweg einige wenige Schilder, aber eben nicht an allen Abzweigungen. Hilfreich ist es deshalb, sich vom Beginn der Dirt Road an eine kleine Skizze mit allen Abzweigungen anzufertigen oder ein GPS zu benutzen.
Der Zufahrtsweg endet schließlich bei einem kleinen Parkplatz mit Toilettenhäuschen, Holzzaun, Picknicktisch und einer großen Holztafel mit der Aufschrift 'Fantasy Canyon'.
Kommt man nicht von Norden, also von Vernal, sondern von Süden, d.h. von Bonanza, so gibt es entlang dem Highway 45 leider kein Hinweisschild Richtung Fantasy Canyon / Glen Bench Road. Man muss also etwas aufpassen und gelegentlich nach hinten schauen, um die Schilder auf der anderen Straßenseite zu lesen und so die Abzweigung nicht zu verpassen. Diese befindet sich einige Meilen nördlich der quer verlaufenden, farbigen Badlands.
Interessantes
Vom Parkplatz führen kurze und von großen runden Steinen markierte Trails in die schmalen Canyons bzw. 'washes' und zu den einzelnen Sandsteinskulpturen des Fantasy Canyon. Vor den meisten dieser Figuren befinden sich in Bodennähe angebrachte kleine runde Metallschilder mit den offiziellen Namen, wobei es natürlich viel mehr Spaß macht, seiner eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen und selbst neue Namen zu erfinden. Da alle Figuren äußerst zerbrechlich sind und auch die umgebende Landschaft mehr oder weniger nur aus bröseligem, getrocknetem Schlamm und Lehm besteht, sollte man bei der Erkundung dieses wunderschönen, einzigartigen Felsgartens darauf achten, auf der Suche nach dem optimalen Foto nichts gedankenlos zu zertrampeln und die losen Hänge dieser 'washes' nicht ins Rutschen zu bringen. Eine der berühmtesten Felsskulpturen innerhalb des Fantasy Canyon, der sogenannte 'teapot', ist im September 2006 leider eingestürzt (ob auf natürliche Weise oder nicht, weiß man natürlich nicht). Auf jeden Fall schadet es nicht, ein bisschen vorsichtig zu sein, um diese wirklich einzigartige Skulpturenlandschaft auch für alle weiteren Besucher so zu erhalten, wie sie ist.
Achten sollte man bei allen Streifzügen auch auf die sogenannten 'Pygmy Rattlesnakes', die hier in dieser Umgebung häufig anzutreffen sind. Bestes Fotolicht hat man im Fantasy Canyon übrigens am späten Abend kurz vor Sonnenuntergang, da dann mit etwas Glück die tagsüber etwas unscheinbar graubraun gefärbten Felsen in leuchtend warmen Rottönen erstrahlen.
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